Business Frau

Die fehlende Verbindung

Oder, das fehlende Teil im großen Puzzle des Lebens.

Neulich hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Freund von mir. Zugegeben, ich habe oft tiefere Gespräche mit ihm gemieden, weil wir grundverschiedene Menschen sind. Ich verstehe mich grundsätzlich mit den meissten Personen sehr gut, doch nur, weil ich sie als Mensch akzeptiere, mich jedoch soweit zurücknehme, wie die Interaktion mit dem Gegenüber es gerade erwartet. Teile ich also nicht die gleichen Hobbies mit der Person, oder habe ich unterschiedliche Auffassungen von der Welt, so vermeide ich dieses Thema. Nicht zwingend, weil es dann zum Streit kommen kann, manchmal auch nur, weil ich einfach ein Sturkopf bin.

So kam es also, dass ich mit ihm ein Gespräch führte. Es ging wieder um das leidige Thema Religion.

Vermeidungstaktik Religion

Zur Religion habe ich eine eher agnostische Beziehung. Ich wurde zwar in meiner Kindheit katholisch erzogen, von meinen Großeltern sogar eher strenger als frei und eigenständig, doch bin ich heute keineswegs das, was man als gläubig bezeichnen würde. Als ich im jungen Teenageralter entdeckt habe, dass man nicht an einen Gott glauben muss, hatte ich eine Erleuchtung. Ich lag nachts in meinem Bett und blickte in den Sternenhimmel. Ich beschloss, mir die Freiheit zu nehmen nicht mehr an soetwas wie einen Gott zu glauben. Und so hatte ich ein letztes Gespräch mit ihm, in dem ich mich von ihm verabschiedete. Seitdem bin ich nicht gläubig. Ich bin Realist und glaube an naturwissenschaftliche Grundzüge.

Mit den Jahren kam dann noch eine persönliche Glaubensrichtung, die ich schlicht das Schicksal nenne. Ich glaube an das Schicksal, das zwar nicht deterministisch die Welt steuert, doch eine grobe Marschrichtung vorgibt, die für die jeweiligen Betroffenen jedoch einen Spielraum bereitstellen.

Beispielsweise kann ich als Mensch nicht einfach so fliegen, doch mithilfe eines Flugzeugs ein ähnliches Ergebnis erzielen. Ich kann ein Mädchen kennenlernen und eine wunderbare Beziehung mit ihr anfangen, aber nur, wenn sie zumindest ein Grundinteresse hat. Wenn sie mich nicht mag, wenn ich gar nicht ihr Typ bin, oder wenn wir uns einfach gar nicht verstehen, dann ist jeder Versuch auch aussichtslos.

Doch das Schicksal lenkt in seinen eigenen Wegen, man muss sich als aufmerksamer Beobachter im Leben nur darauf einlassen. Die Grundzüge muss man einfach sehen.

Parallelen zur Religion

Ich bin sehr froh, dass ich dieses Gespräch mit dem Bekannten hatte. Denn im Grunde hat sich in mir eine bewusst aufgebaute Blockade gegen ein doch vorhandenes Thema gelöst. Ich war jeglicher Form von Religion grundsätzlich abgeneigt. Doch mit seinen Worten habe ich verstanden, dass meine Grundvoraussetzungen nicht so gegeben waren, wie ich es zuerst angenommen habe.

Demut

Nehmen wir beispielsweise das Konzept der Demut. Es schließt das Beten mit ein. Für mich stellte es die bewusste Unterwerfung vor der höheren Macht dar. Dies mochte ich gar nicht. Schließlich bin ich ein für mich selbst denkender Mensch. Ich handle nach meinen Vorstellungen und muss auch selbst mit meiner Situation klar kommen. Da gibt es einfach niemanden, der mir beisteht, wenn ich wirklich alleine bin. Niemanden, der für mich meine Konsequenzen auslebt. Die Lektionen die ich lerne, die lerne nur ich. Die kann ich weder teilen, noch mich bei jemandem anlehnen.

Die Demut besagte doch, dass es da jemanden gibt, der auf mich herabblickt. Der auf mich achtet und mir meine Fehler verzeiht, der mich führt und weist. Auch in schweren Zeiten. Doch diesen habe ich als Agnostiker nie gesehen.

Zumal die Demut für mich immer mit einer Unterwerfung konotiert war. Dies klingt doch schlecht. Nicht nur muss ich an einen Geist glauben, auch muss ich mich ihm unterwerfen. Das geht deutlich gegen meine Natur.

Doch das Gespräch hat mir die Augen geöffnet. Unterwerfung muss nicht zwingend negativ konotiert sein. Man opfert sich weder einer höheren, nicht vorhandenen Macht, man akzeptiert nur Grundannahmen. So wie ich die Grundannahmen des Schicksals akzeptiere, dass ich selbst nicht fliegen kann, so akzeptiert der Gläubige durch Demut die höhere Macht eines Leitbildes. Das Konzept ist dasselbe. Lediglich das Bild änderte sich.

Der sprechende alte Mann

Ebenfalls ein Bild, das ich so gar nicht mochte. Es gibt einen alten Mann über uns, der etwas sagte und etwas geschehen lässt. Er erschuf aktiv die Welt und baute Tiere, Pflanzen und Menschen. Dies erschien mir sehr weltfremd und äußerst naiv.

Ich verstehe nun jedoch, dass es sich hierbei lediglich um ein Bild handelt. Ein zugrunde liegendes Konzept zu erklären ist höhst schwierig. Erklärt ihr ein komplexes mathematisches Problem einer breiten Masse, werden nur die wenigsten Menschen es verstehen, gar für gut erachten. Sprecht ihr jedoch in Bildern, erschafft ihr anschauliche Beispiele, so wird sich das Bewusstsein der Zuhörer automatisch weiter öffnen. Mehr Menschen folgen euch und euren Lehren, da sie die Bilder verstehen.

Es wurde also ein Bild eines alten Mannes erschaffen, um die Grundkonzepte der Welt besser zu veranschaulichen. Dies muss jedoch nicht jedem gefallen. Das beste Beispiel bin ich.

Doch für mich gab es immer das Schicksal, das nicht aktiv lenkt, wie ein Gott mit einem Handwink es tun würde, es ist für mich lediglich eine Intention, die einfach wirkt. Wie Wasser, das einen Berg herabfließt. Es geschieht nicht, weil jemand es ihm gesagt hat, es geschieht, weil physikalische Kräfte es in diese Richtung lenken. Diese Kräfte sind die Intention, die das Schicksal auch besitzt.

Kosmische Grundkonzepte

Wie man es nun dreht und wendet. Man kann mit den verschiedensten Bildern ein Grundkonzept erklären. Genau so verhält es sich mit den verschiedenen Religionen. Propheten, heilige Geistige, Jesus, Mohammed, Bhudda und wie sie alle heißen, haben also nichts weiter getan, als diese Grundkonzepte der breiten Masse der Menschheit erklärt. Sie haben genau diese Konzepte verstanden und wollten sie vermitteln. Sie waren nichts anderes als Lifecoaches. Sie wollten das Leben der Menschen verbessern, indem sie ihnen die Welt und sich selbst erklären.

Hinzu kommt, dass manche Propheten noch die Zukunft vorauszusagen schienen. Sie sagten, eine bestimmte Situation würde geschehen. Dabei haben sie jedoch ebenfalls lediglich die Grundkonzepte weitergesponnen. Wenn ihr also mit einem Mädchen flirten wollt, die einfach kein Interesse zeigt, so werde ich euch ebenfalls voraussagen, dass ihr abblitzen werdet. Dies ist keine weise Voraussicht in die Zukunft, keine überirdische Kraft die ich hier benutze, sondern einfach nur die Erfahrung und das Verständnis über die Tatsachen. Ich lese sie anhand von Fakten und vergleiche es mit dem Wissen um die Basis mit anderen Situationen. Selbstverständlich muss ich nicht immer Recht behalten, doch im Großteil der Fälle habe ich dies nunmal doch. Und sollte es einmal nicht so sein, so nenne ich dies die berühmte Ausnahme von der Regel.

Die Moral

Das Thema Religion ist gar nicht so verzworbelt, wie man auf den ersten Blick denken mag. Wenn man sich mit den einzelnen Parteien einmal auf einen gemeinsamen Nenner einigt, erkennt man, dass die Basiskonzepte alle gleich sind. Doch viele Hitzköpfe, und da bin ich keine Ausnahme, machen es einem hierbei nunmal schwer.

Doch auch hier muss man einfach der Fels in der Brandung bleiben und immer die Füße still halten.

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