Business Frau

Ich bin halt tollpatschig

Wo immer ich hingehe, da werfe ich etwas um.

Ich stoße mich ständig, mach Sachen kaputt, oder stell mich einfach nur trottelig an. Es stört keinen, meißt wird es auch als sympathisch eingestuft, es ist halt einfach da. Manchmal entstehen auch Mißverständnisse zwischen mir und meinen Mitmenschen, die ebenfalls mitunter komische Situationen hervorrufen.

Die Menschen um mich herum stören sich nicht wirklich daran. Sie kennen mich schließlich nicht wirklich anders.

Man zählt es mir als mir eigene Charaktereigenschaft zu. Doch ist dies wirklich so?

Ist meine tollpatschige Art eine Charaktereigenschaft von mir, oder ist es vielleicht etwas Anderes? Schließlich bin ich nicht immer tollpatschig.

Denke ich mal genauer darüber nach so stelle ich fest, dass ich nicht immer tollpatschig bin. Wenn ich alleine zu hause bin und Essen für mich koche, wenn ich putze, aufräume, oder mich mit meinen Haustieren beschäftige, dann bin ich selten tollpatschig. Klar passiert mal ab und an ein Missgeschick. Doch die Regel ist es nicht.

Ich frage mich also, wo ist der Unterschied? Warum bin ich manchmal tollpatschig und manchmal nicht? Was steckt dahinter?

Eine Frage des Selbstbewusstseins

Schlussendlich lässt sich alles auf das Selbstbewusstsein zurückfüren. Menschen, die in Gegenwart von anderen Menschen tollpatschig wirken, zeigen dadurch ihre Unsicherheit. Schreibt man diese Eigenschaft ihrem Charakter zu, scheint es wohl eine tiefer sitzende Unsicherheit zu sein.

Da fragt man sich schnell, ob es nicht noch mehr Eigenschaften gibt, die nicht wirklich zu den Personen gehören, sondern ein individueller Ausdrück für die eigene Unsicherheit ist.

Es gibt Menschen, die neigen dazu sich schnell aufzuregen. Sie fluchen lauthals herum, laufen frustriert und exzentrisch durch die Gegend. Sie werden schnell bockig, flippen schnell aus, werfen vielleicht auch mal Dinge durch die Gegend.

Andere Menschen lachen sehr viel. Sie lachen oft und laut. Ob gerade passend oder nicht. Vielleicht ist ihre Art zu lachen auch nicht überall gern gesehen und die Mitmenschen schauen eher peinlich berührt zur Seite, wenn sie wieder einmal losprusten.

Die meißten Menschen sind jedoch einfach nur schüchtern. Sie vermeiden oft Augenkontakt, halten sich sehr weit zurück. Sie sprechen leise und gebrochen. Man versteht sie kaum, muss ständig nachfragen, wenn man sie überhaupt wahrgenommen hat.

All diese Menschen haben höhstwahrscheinlich ihre Unsicherheit gemeinsam. Würde man sie im Privaten beobachten können, könnte man denken man sieht einen ganz neuen Menschen. Die Fassade kann vielfältig aussehen und mitunter obskure Ausprägungen annehmen.

Am Ende ist es doch nur die Unsicherheit, die Menschen dazu verleitet anders zu wirken, sich anders zu präsentieren, als sie wirklich sind.

Die Kernfrage

Ich bin mir sicher, die meißten Menschen kämpfen mit dieser Fassade, wenn sie ihr eigenes Leben kritischer bewerten. Man zeigt selten sein wahres Gesicht. Manche Menschen kennen mich anders als Andere.

Manche Menschen sind sich ihrer Fassade durchaus bewusst. Sie kennen sie vielleicht gut, oder können sie nicht ganz deuten. Dann wissen sie nur, dass sie eine haben. Oder, dass etwas mit ihnen komisch ist. Dass sie nicht sie selbst sind. Manche wissen es noch nicht mal. Sie verschließen dann meißt die Augen vor ihrem eigenen Leben und vorallem vor ihrem Handeln. Sie reflektieren sich selten selbst, versuchen sich wahrscheinlich nicht selbst zu verbessern.

Sie haben eine oder mehrere Fassaden. Je mehr sie jedoch haben, desto eher stellt sich irgendwann das Gefühl ein, dass sie nicht wissen wer sie sind. Sie kennen sich selbst nicht mehr. Denn wer keine überwiegende Linie hat, kann schnell aus den Augen verlieren, wie er selbst reagiert.

Der Ausweg

Nun stellt sich mir die Frage, was man dagegen tun kann. Was kann ich dagegen tun, wenn ich feststelle, dass ich eine Fassade in gewissen Situationen aufbaue?
Vorausgesetzt ich möchte sie überhaupt loswerden. Es gibt sicherlich Situationen, da baue ich die Fassade bewusst auf. Da kann ich sie auch bewusst steuern und nach eigenem belieben wieder abstellen.

In den Situationen jedoch, in denen ich die Fassade plötzlich entdecke, in der mir schlagartig bewusst wird, dass ich sie schon lange aufgebaut habe, in der mir bewusst wird, dass ich das ändern möchte, muss ich sie bewusst anpacken.

Aufgrund sozialer Normen kann es sehr schwierig sein die Fassade abzulegen. Ich könnte mich den Menschen völlig anders präsentieren, als sie mich zuvor kennengelernt haben. Ich könnte ihnen sogar vor den Kopf stoßen. Allein schon diese Tatsache könnte mich abschrecken, mich an meine von mir selbst aufgebaute Fassade binden.

Daneben gilt verständlicherweise noch die Überwindung doch meine Unsicherheit zu besiegen. Wäre das nicht meine größte Hürde, hätte ich das Problem gar nicht erst vor mir.

Akzeptanz

Der erste Schritt zur Besserung ist bekanntlich die Akzeptanz. Und auch hier kann man diese Regel wunderbar anwenden.

Ich muss meine Fassade akzeptieren. Und ich muss akzeptieren, dass ich die Fassade gebraucht habe. Damit muss ich gleichzeitig akzeptieren, dass ich unsicher bin.

Ein Großteil der Menschen wählt hier den Weg der Ignoranz. Sie versuchen die Tatsachen abzustreiten, sie belügen sich selbst und kämpfen gegen Windmühlen.
Doch der Kampf bring niemandem was. Und er bringt schon gar keine Änderung. Keinen Fortschritt, sondern nur Stagnation und sogar noch Wachstum des Problems.

Besinnung

Hab ich endlich meine eigene Situation akzeptiert, meine Schwächen eingesehen und bin bereit weiterzugehen, bereit mich zu verbessern, ist der wichtigste Schritt getan. Ich erkenne meine Situation und kann so endlich zum ersten Mal klar sehen.

Jetzt, da ich sehen kann wo ich stehe, kann ich auch hinschauen wo ich hingehen will.

Richtung

An der unteren Basis angekommen kann ich mich nun frei entscheiden in welche Richtung ich gehen will. Möchte ich mehr Selbstbewusstsein, oder nur mehr Ehrlichkeit. Möchte ich nur mit mir selbst zufrieden sein, oder lieber offensiv an mein Problem herantreten und es in eine von mir gewünschte Richtung lenken?

Möchte ich die Fassade überhaupt loswerden? Vielleicht bin ich mit ihr ganz zufrieden? Vielleicht möchte ich sie nur ein bisschen anpassen, sie näher an meinen Charakter bringen, oder sie so umlenken, dass ich mein Ziel besser erreichen kann.

Der wohl schwierigste Weg ist und bleibt die Fassade völlig abzuwerfen. Dies hat nämlich die größte innere wie äußere Veränderung zur Folge. Doch vielleicht will ich diese Veränderung. Dann sollte ich sie bewusst wählen und mit keinem einzigen Schritt nach Vorne einen Blick zurück wagen.

Dann nämlich habe ich den ersten Schritt zur wahren Veränderung getan. Zur wahren Verbesserung. Nur dies ist der wirkliche Kampf gegen meine Unsicherheit. Und ist die letztendlich besiegt, wer weiß was ich noch alles erreichen kann?

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