Verpasste Chancen
Irgendwer sagte einmal Das Einzige, das schlimmer ist als zu verlieren, ist, gar nicht erst angetreten zu sein.
Wahre Worte.
Jede einzelne verpasste Chance verfolgt mich für den Rest meines Lebens. Wie eine tiefe Narbe die ich mir selbst zugefügt habe. Früher oder später heilt sie vielleicht zu, aber sie bleibt immer sichtbar. Deutlich sichtbar für mich. Sodass sie mich immer daran erinnert, was ich verpasst habe.
Das Leben ist sehr kurzlebig. Und eine verpasste Chance kann hinter jeder nächsten Ecke lauern. Hat sie mich einmal erwischt, bleibt eine neue Narbe. Manche sind vielleicht nur ein paar Kratzer, andere jedoch tiefsitzende Wunden. Wie schwer es mich diesmal erwischt hat, erkenne ich leider erst sobald die Narbe da ist.
Meine eigenen Fehler
So tückisch bin ich. Ich sehe einen Scheideweg vor mir. Vielleicht habe ich schon eine leichte Tendenz. Immer weiß ich bereits was ich wirklich will. Doch ist es nicht immer genau das wofür ich mich schlussendlich auch entscheide.
Wenn ich da stehe und mir beide Pfade ansehe, denke ich selbstverständlich auch an die Konsequenzen. Was kann bestenfalls passieren, wenn ich links gehe? Was wenn ich rechts gehe? Und was ist das schlimmstmögliche Resultat beider Pfade? Und so versuche ich meisst Vor- und Nachteile abzuwägen und entscheide mich dann.
Erster Fehler - Ehrlichkeit
Wer nun glaubt damit hätte er bereits vorher erkannt wie groß die Narbe bei einer Fehlentscheidung wird, hat sich geschnitten. Es ist einfach nicht möglich. Und warum? Weil kaum jemand wirklich ehrlich zu sich selbst ist, beim Erstellen dieser Liste, beim Analysieren der Entscheidung.
Die Entscheidung wird beeinflusst durch meine eigenen Ängste, durch vergangene Erfahrungen und durch den sozialen Druck von Außen. Damit will ich nicht sagen, dass ich nicht die Freiheit hätte mich auch all dem entgegen zu entscheiden. Meißt entscheide ich bewusst mich dieser Mächte zu unterwerfen, gehe so das Risiko ein mich auch falsch zu entscheiden. Nämlich nicht so wie ich wirklich will, sondern wie ich am wenigsten Anstoß gegen meine äußeren Umstände erzeuge.
Damit habe ich bereits den ersten wichtigen Fehler gemacht. Und den ersten fatalen Schritt auf eine neue emotionale Wunde hin, eine Narbe der verpassten Chancen, die mir für den Rest des Lebens im Gedächtnis bleibt.
Zweiter Fehler - Methode
Genauer gesagt ist dies bereits der erste Fehler den ich begehe. Doch hätte ich ihn zuerst erwähnt, hätte ich den Folgefehler bereits außer Kraft gesetzt.
Ich gehe die ganze Phase der Entscheidung bereits falsch an. Denn jede Entscheidung die mich persönlich betrifft, und mein weiteres Leben in den Teilen in denen es mir wichtig ist beeinflusst, darf ich nicht analytisch vorgehen. Zumindest nicht ausschließlich.
Dabei übergehe ich nämlich das große Gesamtbild. Wenn ich nur analytisch vorgehe, also nur die Vor- und Nachteile abwäge, könnte ich mich immernoch falsch entscheiden. Selbst wenn es im Hinblick auf die Vorteile für Außenstehende selbstverständlich sein sollte wofür ich mich entscheiden sollte, da Vor- und Nachteile gleichermaßen die Entscheidung abnehmen, darf ich nicht meine emotionale Seite übergehen. Da kommt wieder diese innere Tendenz zutage, die ich vorhin erwähnt habe. In den meißten Fällen weiß ich bereits tief in mir drin, in meinem Herzen, in meinen Emotionen, welchen Weg ich gehen will. Ungeachtet jeder Argumente für oder gegen einen Weg. Die brauche ich nicht, denn die innere Entscheidung steht bereits. Und diese sollte immer in meiner Entscheidung berücksichtigt werden.
Immer dann nämlich, wenn ich mich gegen meine innere Entscheidung stelle, gegen meine Emotionen entscheide, und den Verstand siegen lasse; bei den Dingen die für mein Leben wichtig sind, bei den Entscheidungen die meinen Lebensweg maßgeblich beeinflussen, in eine Richtung lenken die mir selbst wichtig ist; immer dann gehe ich die Gefahr ein mir eine tiefe emotionale Wunde zuzulegen.
Dritter Fehler - Stagnation
Ebenfalls ein sehr schlimmer Fehler ist es, die Entscheidung gar nicht erst zu fällen. Stehe ich also vor dem Scheideweg und verschließe meine Augen um der schweren Entscheidung aus dem Weg zu gehen, treffen mich die Tücken des Lebens mit voller Breitseite.
Denn ein Weg muss gegangen werden. Welcher es sein wird? Das bestimmt mein Leben selbst. Es nimmt mir die Entscheidung weg und lässt mich alleine mit den Konsequenzen. Es ist meine Schuld, wenn es so weit gekommen ist. Doch auch hier kann eine Narbe entstehen. Dabei jedoch nicht nur die Narbe der verpassten Chance, sondern auch die Narbe der Machtlosigkeit.
Das passiert übrigens auch dann, wenn ich mir mit meiner Entscheidung zu viel Zeit nehme. Denn das Leben ist kurzweilig, und lässt mir kaum Zeit genug nachzudenken.
Die Tücken des Lebens
Da kommt auch schon das Leben ins Spiel. Es ist schnell, kurzlebig, und wer die Regeln nicht verstanden hat wird viel Leid über sich ergehen lassen. Ihr nennt es unfair? Nennt es wie ihr wollt, es ändert doch nichts. Entweder ihr akzeptiert die Tatsachen und passt euch den Regeln an, formt euer eigenes Leben wie ihr es wollt, oder ihr jammert und führt ein mittelmäßiges Leben.
Außerdem ist es gar nicht so schwer den Regeln zu folgen. Ich muss nur schneller sein als das Leben. Das bin ich, indem ich meine Entscheidungen schnell fälle. Mit Herz und Leib und Seele. Ich weiß schließlich vorher schon wozu ich mich entscheiden will. Vor- und Nachteile abzuwägen wäre reine Zeitverschwendung, denn die Entscheidung ist eine rein Emotionale. Entscheide ich mich immer nach meinem inneren Gemüt, bin ich auch mit Fehlentscheidungen zufrieden.
Denn genaugenommen sind es dann keine Fehlentscheidungen, sondern bewusste Risiken die ich eingehe. Lieber verliere ich mit Würde, als dass ich gar nicht erst angetreten bin. Ich kann ruhig vernarbt aus dem Leben treten, dann doch aber lieber am Körper als in meinem Herzen.
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