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Neustart der emotionalen Schaltkreise – Teil 1

Das Spektrum an menschlichen Emotionen ist enorm. Wir sind im Verlauf eines Lebens imstande uns zu freuen, traurig zu sein, wütend zu sein, müde zu sein, fröhlich, bedrückt, panisch, ängstlich, neugierig und neidisch. Ich könnte unzählige Gefühlslagen aufzählen.

Und doch neigen zu viele Menschen dazu nur einen Bruchteil der Bandbreite an Gefühlen auszukosten. Dabei bleiben sie sowohl auf der horizontalen Ebene stehen, wie auch auf der Vertikalen. Man neigt nicht nur sich an die positiven Gefühle zu klammern, sondern auch nur wenige positive Gefühle zu erleben.

Wer so denkt wie ich, dem sollte spätestens jetzt bewusst sein, dass da noch mehr geht. Das Lebensmotto alles mal zu erleben weckt Abenteuerlust und immer wieder neue Erlebnisse. Es macht das Leben spannender, und damit auch jeden Augenblick für sich gesehen zu einem Genuss. Dabei erfahren die einzelnen Erlebnisse jedoch keine direkte Wertung, seien es nun negative oder positive Emotionen die man da durchlebt. Die Mischung, und vorallem die Abwechslung machts.

Leben auf dem Abstellgleis

Diejenigen, die eben diese Bandbreite der Emotionen eher meiden, und die nur auf die positiven Momente fixiert sind, werden merken, dass es gar nicht so einfach ist diese Momente zu kreieren. So taumeln sie also von Moment zu Moment, versuchen ständig das spezielle Gefühl aufzubauen und es lange festzuhalten. In den Zeiten jedoch, die nicht in diese Kategorie fallen, fühlen sie sich leer, depressiv, schlapp und motivationslos. Kein Wunder, denn man kann nicht immer nur eine Emotion verspüren. Schließt man sich zudem noch von anderen Emotionen aus, gibt es nur eine dumpfe Leere, die nur als Brücke zum nächsten gewünschten Moment gilt.

Das Leben gestaltet sich in Momentaufnahmen, von denen es nicht viele gibt.
Für jeden, der sich manchmal leer fühlt, und zur totalen Depression neigt, für den empfehle ich einen Neustart der Gefühle.

Wir bringen die alten Haudegen mal auf Trab, und erleben am eigenen Körper was wir alles imstande sind zu fühlen.

Fröhlichkeit

Fangen wir mal mit dem Leichtesten an. Die Fröhlichkeit ist für die breite Masse erstrebenswert, und fühlt sich gut an. Man fühlt sich wohl, und geniesst es. Also ist es die erste Emotion die wir kurz und schnell erreichen wollen.

Wie machen wir das? Mit Blödsinn. Schnappt euch das nächstbeste Etwas, und bewerft die nächstbeste Person damit. Ist gerade keine zur Hand, sucht etwas Anderes.

Die Regeln: Es muss spontan sein, und etwas Neues. Es darf nicht gewohnt sein, und es muss euch herausfordern. Wenn ihr es nicht mit totaler Leichtigkeit, sondern mit einer kleinen gefühlten Bremse macht, ist es wunderbar und eignet sich dafür.

Das Ziel: Fröhlichkeit natürlich. In Form eines Schmunzelns, eines Lachens, Lächelns, eines Kribbelns oder sonst etwas. Wenn etwas Adrenalin freigestoßen wird, um so besser.

Neid

Auch ein Gefühl, das vielen Menschen bekannt ist. Ob man es wirklich fühlen will oder nicht ist eine andere Frage. Aber viele fühlen es einfach. Bewusst oder unbewusst. Und ob sie es wollen oder nicht. Holen wir uns mal bewusst Neid ins Haus, um auch diesen Schaltkreis ein bisschen auszulasten.

Und wie? Schauen wir uns andere Menschen an. Ist der da reicher als ich? Neid. Hat der einen besseren Partner, so rein optisch, dann beneide ich ihn. Die Person scheint gerade viel mehr Spaß zu haben als ich. Ist das doof.

Die Regeln: Es muss ehrlicher Neid sein. Nicht die Light-Version des Neids, die man gezwungen hervorholt. Kommt er nicht, schaut euch extremere Menschen an. Hübschere Partner, reichere Personen.

Das Ziel: Richtigen ehrlichen Neid verspüren. Mit verkrampften Muskeln und deutlicher physischer Reaktion.

Sehnsucht

Da kommen wir der Sache schon näher. Da haben wir doch mal eine Emotion, die, wenn gefühlt, schon mehr im Körper regt. Dann suchen wir uns mal die Sehnsucht.

Und wahre Sehnsucht, so hab ich mir sagen lassen, bezieht sich nur auf eine Person. Nicht auf einen Umstand, oder etwas Sachliches. Wir müssen uns also einen Menschen suchen, auf den wir unsere Sehnsucht kanalisieren können.

Und ich weiß genau, da hat fast jeder Mensch eine Person im Sinn. Sei es eine nette Bekanntschaft aus dem Zug, oder ein Arbeitskollege. Sei es eine verschollene Liebe, oder eine nahestehende Person in der Familie.

Die Regeln: Braucht man hier wirklich welche? Außer Ehrlichkeit, die aber hier als Grundregel gilt. Glücklicherweise muss ich nur mir selbst gegenüber ehrlich sein.

Das Ziel: Sehnsucht. Der kleine Stich im Herzen, der aber deutlich da ist. Nicht wie Akkupunktur, sondern wie der Schnitt am Papier. Hauchdünn aber sehr schmerzhaft.

Fortsetzung folgt

Macht euch gefasst auf weitere Emotionen. Und natürlich die Lehren, die hinter der Übung stecken.

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