Think Positive
Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen.
Stimmt das wirklich? Manchmal wäre das doch gar nicht mal so schlecht. Es wäre kein Verdammnis, sondern eher eine Freude.
Denn wie oft habe ich schon positive Dinge erlebt. Situationen an die ich mich noch heute gerne zurück erinnere. Zeiten, denen ich noch heute nachtrauere. Die ich vermisse, und die ich mir zurück wünsche.
Das Ex-Phänomen
Die meißten Singles neigen dazu lange ihrem Ex-Freund oder ihrer Ex-Freundin nachzutrauern. Sie stellen sich die Fragen Warum ist es eigentlich gescheitert?, So schlimm war sie/er doch gar nicht?, Es war doch eine sehr schöne Zeit?, Wir haben so gut zusammengepasst?.
Und so schwelgen sie in ihrer eigenen Vergangenheit. Sie trauern den schönen Momenten nach und wünschen sich zurück in die Vergangenheit.
Doch eigentlich denken sie nicht wirklich darüber nach. Es hatte einen Grund, warum die Beziehung gescheitert ist. Man stritt sich oft und man fühlte sich unwohl. Die meißte Zeit über. Und deswegen ist es auch in die Brüche gegangen.
Ist man aber mal ein paar Monate alleine, neigt man schnell dazu diese negativen Situationen zu verdrängen. Man vergisst sie entweder ganz, oder man sieht sie nur noch verzerrt. Denn jetzt, wo man zurückdenkt, fixiert man sich nur noch auf die positiven Dinge.
Ein allgemeines Phänomen
Nicht nur mit den Ex-Partnerschaften verhält es sich so, eigentlich ja mit allen Situationen. Wer bei der Bundeswehr war, kann hiervon ein Lied singen. In den ersten drei Monaten, früher war es sogar noch länger, hatte man die berühmt berüchtigte AGA, die Allgemeine Grundausbildung. Da wurde man angebrüllt, getriezt, hin- und hergescheucht, und gequält. Man hatte Dienst von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Und in dieser Zeit hatte man keine wirkliche Pause. Man bekam wenig zu Trinken, viel zu wenig Zeit zum Essen, man musste ständig laufen, sich konzentrieren und Befehle befolgen.
Gerade die erste Zeit war da sehr hart. Man wurde richtig fertig gemacht und immer nur angebrüllt. Und hat grundsätzlich alles falsch gemacht. Sowas zehrt an den Nerven.
Und währenddessen hasst man die Zeit auch wirklich. Es ist einfach nur furchtbar und man bereut zeitweise, dass man sich doch für die Bundeswehr entschieden hat.
Jetzt, wenn ich an diese Zeit zurückdenke, sehe ich es ganz anders. Ich erinnere mich gern an die Zeit zurück. Ich vermisse die Kameradschaft, das Sportprogramm und die Abende nach dem Dienst. Es war witzig und spannend. Wir haben viel gemacht und ich bin sehr stolz darauf.
Die negativen Seiten sehe ich gar nicht mehr. Als wären sie nie gewesen, oder als hätte ich sie ganz falsch interpretiert. Als hätte ich mich nur angestellt. Doch war das wirklich so?
Der Gegenbeweis
Manchmal träume ich, dass ich wieder in die Bundeswehr gehen muss. Dann spüre ich wieder ein anderes Gefühl. Ich merke ein Unbehagen und die Nervosität, die ich am ersten Tag verspürte. Ich freue mich dann nicht auf die bevorstehenden drei Monate, sondern hoffe, dass sie schnell wieder vorübergehen.
Am nächsten Morgen weiß ich dann wieder, dass meine Gedanken an die Vergangenheit verzerrt sind.
Dann bin ich mir sicher, dass ich meinen Gedanken nicht trauen kann. Ich weiß, dass nicht alles, was mir früher passiert ist, und was ich heute vermeindlich vermisse, wirklich gut war.
Was kann ich daraus lernen?
Zuerst wollte ich mir Gedanken machen, warum das so ist. Warum neigen wir dazu das Vergangene zu idealisieren? Doch leider fand ich keine wirkliche Antwort. Es ist zwar ein allgemeiner Fakt und jeder stimmt dem auch zu, aber warum es wirklich so ist, bleibt ein Mysterium. Also, warum sich lange verrückt machen?
Suchen wir uns doch eher eine Lehre aus diesem Wissen. Wie könnte ich es verwenden um voranzukommen? Um zu lernen, zu wachsen, und mein Leben dadurch besser zu gestalten?
Die Vergangenheit ist vorbei
Und so sollte ich mir selber vertrauen, dass es auch gut so ist. Wenn es gut wäre, hätte ich es behalten. Da dem nicht so ist, habe ich schon bewusst Abstand davon gewonnen.
Erinnerungen kann man nicht vertrauen
Sie spielen mir einen Streich. Ich nehme die Vergangenheit verzerrt wahr und alles andere als so wie sie wirklich war. Ich blende Punkte aus und setze falsche Akzente.
Die Gegenwart ist näher
Schluss mit dem Geschwelge in alten Zeiten. Wenn ich etwas haben will, dann hole ich es mir jetzt. Ich schaffe mir mein Leben so, wie ich es möchte. Und wenn ich einzelne Punkte vermisse, dann hole ich sie mir wieder. So wie sie waren, oder anders. Vielleicht sogar besser.
Selbsteinschätzung
Die Punkte die ich wertschätze und die ich vermisse, sind die, die derzeit in meinem aktuellen Leben problematisch sind. So sagt mir also mein Geist, woran ich arbeiten soll, und was ich brauche damit es mir gut geht. Dabei sollte ich nicht auf die tatsächlichen Ereignisse achten, sondern die Gefühle die ich damit assoziiere. Diese gilt es dann in mein jetztiges Leben zu holen und nicht die Situationen in denen sie herrschten.
Erste Schritte in ein besseres Leben
Und damit kann ich anfangen mein Leben besser zu gestalten. Welche Punkte vermisse ich? Was schätze ich wert? Woran erinnere ich mich gerne zurück? Wie geht es mir dabei?
Genau diese Gefühle muss ich festhalten. Ich muss sie pflegen und mit neuen Situationen aufbauen. Mit so viel Wohlgefühl kann ich dann auch anfangen andere Bereiche in meinem Leben neu zu ordnen.
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