Schluss mit dem Produktivitätswahn
Meine wöchentliche Aufräumaktion hat mal wieder begonnen. Heute waren alte Einträge aus meiner Linkliste dran, die ich einzeln durchgehen wollte, um sie nach diversen Kriterien auszusortieren.
Die Liste der Einträge hat sich über mehrere Jahre zusammengesammelt. Ein Eintrag kam hinein, wann immer ich glaubte, dass dieser Link sehr wichtig für mich ist. Ich hielt ihn fest, um ihn mir bei Zeiten anzusehen. Ist es einmal soweit, würde ich mir die Seite nochmal anschauen, mir die wertvollen Informationen herausziehen, und den Link löschen.
Dabei fiel mir auf, dass ich sehr viele Links zum Thema Produktivität und Organisation angesammelt habe. Die meißten Artikel, hauptsächlich sammle ich nämlich nur Artikel zu speziellen Themen, die mich interessieren, hatten den Tonus 100 Wege zu mehr Produktivität, oder Die 10 fundamentalen Motivationstools.
Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber sehr oft, wenn ich im Internet surfe, suche ich nach Artikeln die mich motivieren, oder mir Tipps geben für mehr Produktivität. Und was mache ich nicht, wenn ich im Internet surfe? Klar. Ich bin nicht produktiv.
Würde ich also viel weniger Zeit dafür aufbringen mich zu informieren, wie ich noch produktiver sein kann, und wie ich noch motivierter sein kann, und wie ich noch besser sein kann, und welche ultrageheimen, jahrelang erforschten, und von süd-malayischen Urforschern bestätigten Methodiken es nun wieder gibt, dann hätte ich auch mehr Zeit für das Wesentliche.
Mal im Ernst
Allmählich sollte sich herauskristalisiert haben, dass ich gerne mal kurz innehalte, und über mich und mein Leben nachdenke. Diese simple Methode ist sehr effektiv sein Leben wirklich und nachhaltig zu verbessern.
Halte ich also kurz inne.
Habe ich wirklich Produktivitätsprobleme?
Nein. Wenn ich eine klare Aufgabe vor mir habe, sie mir sehr viel Spaß macht und ich das Ziel dieser Aufgabe schätze, dann bin ich sehr produktiv. Ich arbeite wie ein Wilder an der Aufgabe, mit vollem Einsatz und höhster Motivation. Rückblickend habe ich also sehr viel geschafft, und schaffe auch heute noch sehr viel von dem, was ich mir vorgenommen habe.
Habe ich vielleicht Motivationsprobleme?
Manchmal bin ich wirklich unmotiviert, und dann auch wenig produktiv. Ich hab also Probleme mit meiner Motivation, richtig? Das rechtfertigt doch schon, dass ich mich zu diesem Thema weiterbilde, richtig?
Falsch. Denn, und dafür muss ich wieder mal innehalten, wie oben beschrieben, kann ich sehr motiviert sein. Ich kenne das Gefühl von totaler Motivation. Wenn ich völlig in einer Aufgabe aufgehe, und nichts mehr um mich herum wahrnehme. Man nennt es The Zone, die Zone, in die man langsam abdriftet, wenn man sich mit vollem Eifer in eine Aufgabe vertieft. Viele kennen es von Computerspielen, oder von einem spannenden Buch. Auch Filme können so sehr faszinieren, dass man nicht mal mehr mitbekommt, dass das Telefon klingelt.
Welches Problem habe ich denn nun?
Ich bin produktiv. Und ich kenne Motivation. Welches Problem habe ich denn dann? Und wieder innehalten.
Ich bin produktiv und motiviert, wenn ich an einer Aufgabe arbeite, mit der ich mich identifizieren kann, und dessen Ziel ich schätze. Ist mir das Ziel wichtig, bin ich sofort motiviert es auch anzupacken.
Die wahren Probleme liegen also in meinen Aufgaben selbst. Sie sind entweder sinnlos, oder es stecken Ziele dahinter, die mir nicht helfen. Jeder hat ein Ziel im Leben, und so kann er doch genau abschätzen, ob eine Aufgabe diesem Ziel auch dient.
Sollte ich wirklich kein Ziel haben, bzw. mir dessen nicht bewusst sein, kann ich zumindest anhand der Motivationslosigkeit erkennen, dass ein spezielles Ziel mir nicht hilft.
Zielsetzung also?
Das Zauberwort heisst Zielsetzung. Hierfür brauche ich nur gesunden Menschenverstand, und ein wenig gesunden Egoismus. Dann komm ich schon schnell darauf, wo ich hin will in meinem Leben. Ist das erstmal abgeklärt, ist es ein Leichtes den Weg dahin zu bahnen. Und so bestücke ich den Pfad mit Aufgaben die mich motivieren, und bin Produktiv auf meinem Weg.
Komme ich von dem Weg ab, erkenne ich es schnell. Denn dann bin ich wieder motivationslos, unproduktiv, und surfe auf Webseiten die mir dieses Gefühl zu nehmen glauben.
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