Business Frau

Spirit of the staircase

Oder: Dinge die ich hätte sagen können, die mir jetzt einfallen, wo es zu spät ist.

Wer kennt diese Situation nicht? Man ist irgendwo mit Freunden, Kollegen und Bekannten, und einer bringt einen Witz. Die ganze Meute lacht. Dann kommt ein Zweiter, und setzt einen oben drauf. Wieder lachen alle. Und so schaukelt es sich immer weiter hoch. Nun will man selbst auch an der Reihe sein, und überlegt sich den perfekten Spruch. Doch es kommt nichts.

Bedrückende Stille. Man hört die Grillen zirpen. Draußen fahren Autos vorbei, und man hört eine Schnecke furzen. Irgendwo in weiter ferne. Was zwar nur ein paar Sekunden sind, kommt einem vor wie eine Tortur. Und man fängt an zu schwitzen. Bald erbarmt sich jemand die Stille zu lösen, und es wird wieder munter weitergelacht. Doch nicht für uns. Wir sind bedrückt und peinlich berührt für den Rest des Abends.

Auf der Fahrt nach Hause kann man immernoch an nichts anderes denken. Man rekapituliert die Situation. Doch plötzlich hat man sie. Die perfekte Antwort. Sie ist so gut, dass man gleich laut loslacht. Warum hatte man nicht diese Idee wenn es darauf ankommt?

Der richtige Moment

Welche physischen Reaktionen sich hier im Gehirn abspielen, kann uns noch immer kein Forscher sagen. Jeder kennt die Situation. Es ist allgegenwärtig. Und doch ist es ein Mysterium für die Menschheit. Diese Situationen nennen die Franzosen den L’esprit de l’escallier. Der Spirit of the staircase. Weil man den perfekten Einfall erst auf der Treppe hat, auf dem Weg zurück.

Ich fasse jedoch den Umstand noch weiter. Nicht nur die perfekte Antwort ist es, die einem nicht einfällt. Da würde man ja grundsätzlich nur reagieren. Auch die perfekte Masche, mit der man ein Mädchen für sich gewinnen will, kommt einem nicht über die Lippen. Sie kann sogar vorher genau durchdacht worden sein. Wenn es darauf ankommt, ist man so nervös, dass alles vorherige vergessen wurde.

Da kann man die Situation noch so oft im Kopf durchgehen, und noch so viele Verzweigungen einplanen. Man hat eine Antwort auf jede Reaktion. Es ist alles weg im Fall der Fälle.

Die Folgen

Und man ärgert sich. Man flucht über sich selbst, ist aufgeregt und hibbelig. Man kann keinen klaren Gedanken fassen. Unglaublich, dass man diese Situation nicht meistern konnte. Als sei man nicht einmal fähig ein normales Leben zu leben. Man scheint nicht Herr über die eigenen Emotionen zu sein. Wie eine Puppe an den Schnüren eines fremden Puppenspielers, der sich keine Mühe macht den Zauber der Puppe zu entfachen.

Fehler Nummer 1: Man bereut es nicht nur, man hasst sich dafür. Klar, jedermann ist menschlich, aber doch nicht ich selbst. Ich habe höhere Ansprüche. Kann es besser. Und ich will es auch. Schaffe es doch erneut nicht. Ich bin es nicht Wert zu leben. Ich bin ein Trottel, ein Vollidiot. Nicht einmal das schaffe ich. So ein Versager. Kein Wunder, dass du so unbeliebt bist, wenn du selbst in diesen Situationen scheiterst.

Man verurteilt sich selbst. Macht sich nieder, und verzeiht sich nicht selbst. Man verabscheut sich. Über die Zeit kann nur ein wahrer Selbsthass aufgebaut werden. Dieserlei Situationen passieren immer wieder. Somit ist es unumgänglich, dass man sich im Laufe der Zeit immer mehr verabscheut. Wo soetwas enden kann, wag ich gar nicht zu äußern.

Fehler Nummer 2: Man denkt zu sehr darüber nach. Eine Reflektion des Geschehenen ist nützlich, keine Frage. Doch ist einmal der Fehler erkannt, muss man damit abschließen und weitermachen. Je länger man es wieder im Kopf durchspielt, und neue Möglichkeiten sucht, sucht man auch noch mehr Gründe um den ersten Fehler zu begehen.

Eine effektivere Zeitverschwendung ist nur noch das Fernsehen. In dem man immer und immer wieder die gleiche blöde Stelle im Film zurückspult. Und man beobachtet, und hofft immer wieder aufs Neue, dass der Schauspieler dieses Mal nicht durch die Tür geht.

Fehler Nummer 3: Man hängt sich immer an den selben Mustern auf. Je öfter man darüber nachdenkt, und die Situation durchspielt, desto verfremdeter wird das Gesamtbild. Mag man sich auch eine noch so gute Strategie überlegt haben, und sich selbst wirklich dazu konditionieren zu können, es beim nächsten Mal besser zu machen, hat man nur einen Einzigen von geschätzen Unendlich und zwanzig Fällen abgehakt.

Es macht keinen Sinn diese eine Situation zu beherrschen, denn sie wird mit höhster Wahrscheinlichkeit nie wieder so auftreten. Schlimmer noch. Man könnte dazu neigen sie bewusst zu forcieren, damit man mal seine perfekte Masche doch anwenden kann. Das wirkt so unnatürlich auf andere, dass es erst Recht nicht dazu kommt. Hinterher ärgert man sich nur noch mehr.

Heute machen wir wirklich alles anders

Die Fehler kann man mit wenigen Worten benennen. Selbsthass, Leben in der Vergangenheit, und das beinhaltet auch Nichtakzeptanz der Tatsachen, sowie der Fokus auf Irrelevantes.

Man versucht die Symptome zu bekämpfen, und nicht die Ursache. Man schließt aufs Neue viele kleine Knoten eines ohnehin schon zerstörten Netzes.

Doch jetzt nicht mehr. Schluss damit. Wir machen alles anders. Besser, wir machen alles richtig. Ab heute und jetzt.
Jeder macht Fehler. Akzeptiert das. So bin ich nicht anders als alle anderen auch. Die Menschen mir gegenüber machen die gleichen Fehler wie ich, nur nicht zur selben Zeit. Also brauch ich mich nicht dafür zu hassen. Ich muss mich nicht lieben, ich sollte es jedoch nicht bewerten. Akzeptiert die Tatsachen, und geht weiter. Schaut nach Vorne nicht nach Hinten.

Es kann sicherlich helfen kurz über die Situation nachzudenken. So erkennt man eine eigene Schwäche. Man darf nicht die einzelnen Antworten bewerten, sondern das grundlegende Muster, das zu der Situation geführt hat. Dies gilt es zu ändern.

Mit der Zeit bekomm ich eine Liste aus wenigen Mustern, die mein aktuelles Wesen aufzeigen. Keine unzähligen Situationen, sondern wenige, oft zusammenhängende Muster. Damit lässt sich doch arbeiten.

Ihr wollt praktische Vorgehensweisen? Wisst immer noch nicht, wie ihr es macht. Dann Tötet Joe Average. Wartet auf den nächsten Artikel.

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