Business Frau

Das Geheimnis von Adolf Merckle

Auf der Autobahn auf dem Weg nach Hause habe ich von der tragischen Nachricht gehört. Milliardär Adolf Merckle, Unternehmer und Gründer vieler bekannter Marken, hat sich selbst das Leben genommen. Er galt als 5. reichster Mann von Deutschland, und hat ein ganzes Imperium aufgebaut. Jetzt hinterlässt er es einem Schatten. Was nun aus den einzelnen Unternehmen wird, weiß man noch nicht.

Was kann ich von dieser Geschichte lernen? Und wieso hat sie mich so mitgenommen? Ich muss gestehen, ich habe den Namen Merckle zum ersten Mal gehört, als über seinen Tod berichtet wurde, und doch trifft es mich.

Er war reich und erfolgreich. Hatte eine Familie, und scheinbar seinen Weg gemacht. Er hatte das, wovon sehr viele Menschen träumen. Und doch schien er so viele Probleme zu haben, seinen Ausweg im Selbstmord zu suchen.

Ich lerne daraus nichts, was mir nicht bereits vorher klar war. Man sagt Geld allein macht nicht glücklich. Und dieser Fall beweist es aufs Neue.

Dennoch denken viele Menschen, dass er ein tolles Leben geführt hat. Nicht er als Person, aber er als Beispiel. Milliardär mit einem eigenen Imperium. Finanzieller Erfolg, Übermaß an allem was man sich nur wünschen kann, und genug Sicherheiten um sich, seine Familie, und sogar einem großen Freundeskreis einen weit überdurchschnittlichen Lebensstandard für den Rest des Lebens zu garantieren. Und selbst dann wäre noch einiges übrig geblieben.

Es war fast schon beneidenswert sein Leben. Er hatte alle Freiheiten, alles Geld und alle Macht der Welt, so schien es. Wer wünscht sich nicht das, was er hatte?

Letztendlich schien es nicht gereicht zu haben. Er hatte so viele Probleme, dass er keinen anderen Ausweg sah, als davor wegzulaufen. Welche Probleme es genau sind, wissen vermutlich nur seine engsten Angehörigen. Sein Abschiedsbrief wurde bisher nicht veröffentlicht.

Man sollte aus diesem Fall lernen. Man sollte darüber nachdenken, ob Geld allein das einzige Ziel im Leben sein kann, was man will. Ob finanzieller Erfolg allein ausreicht um zufrieden zu sein. Und ob andere Menschen, wo sie auch stehen mögen, ob vor der Kamera als Superstar, oder in den höhsten Chefetagen unter einem eigenen Imperium an erfolgreichen Marken und Unternehmen, wirklich ein so viel besseres Leben haben, als man selbst.

Wer beneidet ihn jetzt? Wer wird ihn vielleicht beneiden, wenn man mehr erfährt?

Welche Geheimnisse er auch haben mag. Was auch immer seine Probleme waren. Man weiß, dass sein halbes Imperium zu zerbrechen drohte. Dieser Verantwortung wollte er sich entziehen.

Meiner Meinung nach ist es nicht richtig so zu handeln. Er ist kein gutes Beispiel für einen verantwortungsbewussten Menschen. Kein Vorbild für Kinder mehr. Weder seine, noch fremde Kinder. Er hätte sich seinen Problemen stellen müssen.

Wer weiß es schon. Vielleicht hätte er noch sehr viel mehr gelernt aus seinen Fehlern. Ein größeres Imperium aufgebaut. Oder sich einfach zurückggezogen, und ein glückliches Leben mit seiner Familie, und einem Hobby gelebt. Er hatte doch alle Möglichkeiten dazu.

Oder er wäre wirklich abgestürzt. In der sinnbildlichen Gosse gelandet. Doch auch hier kann man viel lernen. Und noch tiefer Fallen kann man dann nicht mehr. Er hätte lernen können wieder aufzustehen, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen, und für sein eigenes Glück zu sorgen. So viele Dinge gibt es, die er hätte lernen können. Doch er hat es nicht gemacht. Es ist doch ein Jammer.

So viele Menschen, ob reich oder arm, ob erfolgreich oder unbekannt, ob beliebt oder einsam, verschließen ihre Augen vor ihrem Leben, und sehen nicht die Möglichkeiten die sie haben. Sie haben völlige Freiheit zu tun was sie wollen. In keiner Lebenslage gibt es Grenzen die einen dazu zwingen stillzustehen. Es gibt keine Sackgassen, höhstens Einbahnstraßen.

Es mag sein, dass sein Imperium gescheitert wäre. Es mag sein, dass man sich in so hohe Verzwickungen hineingeritten hat, dass es nurnoch einen Weg gibt, nämlich in das totale Scheitern. Sei es so. Man lernt daraus, und kann es nochmal versuchen. Oder man versucht etwas Neues. Denn ist man einmal unten, ist man auch frei. Man kann sein Leben nochmals definieren, und sich völlig ändern.

Man sagt die Todeskarte im Tarot bedeutet etwas Gutes. Es steht für einen Neuanfang. Und genauso ist es mit allen negativen Erlebnissen im Leben. Es ist ein völliger Neuanfang. Wer weiß schon was am Ende des neuen Pfades auf einen wartet? Vielleicht noch mehr Glück, noch mehr Zufriedenheit? Oder eine noch größere Lektion die einen zu einem noch besseren Menschen macht.

Niemand weiß was das Leben bringt, und welchen Ausgang eine Sache wirklich haben kann. Man sollte es nehmen wie es ist, es voll ausleben, und ansonsten als Lektion ansehen, und weitergehen. Sodass man am Ende seines Lebens stolz darauf sein kann.

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Kommentare (5) -> “Das Geheimnis von Adolf Merckle”

  1. mucknert
    07 Januar 2009 23:25
    1

    Meiner Meinung nach ist es muessig, hier ein Wertmass wie “richtig” oder “falsch” anzulegen. Schon gar nicht ist ein Imperativ wie “haette sich stellen muessen” zu formulieren. Ein Faktum ist, dass er an den Erwartungen, die an ihn gestellt worden sind, zerbrochen ist. Dies kann ganz unterschiedliche Gruende haben, aber es stellt sich doch so dar, dass ein existenzieller Misserfolg in der heutigen Zeit und Gesellschaft ausreicht, jemanden an den Rand des Wahnsinns zu treiben und zwar aus einem einfachen Grund: alles, was man einmal erreicht hat erscheint nun nichts mehr wert. Fuer eine ungefestigte Persoenlichkeit, die beruflichen und oekonomischen Erfolg mit der eigenen Daseinsberechtigung verbindet ist also ein oekonomischer Misserfolg so gut wie ein Todesurteil. Die psychischen Ablaeufe, die dabei stattfinden lassen sich nur schlecht nachvollziehen wenn man sich nicht in der selben Situation befindet.

    Letztlich ist ein wertender Kommentar aus einem einzigen Grund verfehlt: Dinge wie “richtig” oder “falsch” geschweige denn “etwas tun muessen” begruenden sich einzig und allein auf gesellschaftlicher Konvention. Nun machen persoenliche Gefuehle und Eindruecke davor nicht halt; wenn die Situation als unertraeglich und ausweglos empfunden wird so macht dies nicht vor dem moralisch geforderten Halt.

    In anderen Worten: es mag sicherlich nicht “schoen” sein, welchen Ausweg Herr Adolf Merckle da gewaehlt hat aber da niemand, wie schon im Artikel dargelegt, die innere seelische Befindlichkeit haette ausloten koennen ist es auch sinnlos mit normativ aufgeladenen, aber letztendlich sinnlosen moralischen Forderungen zu kommen. Der Schluss, dass die gesellschaftliche Stellung irgendeine Art von Vorbildfunktion mit sich bringt ist ein Falscher. In anderen Worten: es steht jedem frei, auch gepflegt in der Gosse anzukommen, und zwar auf jede Art die seelische Notwendigkeit traegt. Und da ist auch jede Art des erhobenen Zeigefingers und moralischer Durchhalteparolen verfehlt.

  2. admin
    08 Januar 2009 21:43
    2

    Was ist schon richtig oder falsch. War er wirklich ein Vorbild? Wer weiß das schon? Und wen interessiert es?
    Wir können dennoch von diesem Fall lernen. Wer? Wir. Jeder einzelne von uns. Undzwar wir Menschen, die ein besseres Leben leben wollen. Besser heißt hier genau das, was jeder einzelne Mensch als besser empfindet. Sei es glücklicher, zufriedener, oder gelassener. Sei es erfolgreicher oder total verändert. Besser in jedem persönlichen Sinn kann man leben, wenn man sich dieses Beispiel zu Herzen nimmt, und daraus seine eigenen Lehren zieht.
    Man könnte ihn als Negativbeispiel nehmen. Will ich so enden wie er? Sicherlich nicht. Ich will besser leben. Also sollte ich auch die hier beschriebenen Denkanstöße berücksichtigen.
    Will ich weiter in meinem Cocoon leben, verblendet von der Wahrheit, und dem eigenen selbstbewussten Leben fortlaufend, dann lasse ich mich unbeeindruckt, und denke nicht zu sehr darüber nach wie mich persönlich dieser Fall beeinflusst.

    Und wir Menschen leben in einer Gesellschaft. Diese hat auch gewisse Konventionen. Ihnen zu folgen hat sicherlich nichts mit richtig oder falsch zu tun. Doch was ich für richtig halte, sollte ich auch tun.

    Letztendlich ist es jedem selbst überlassen wie er sein Leben lebt. Auch wie er es beendet. Und doch betrifft jedes Leben uns alle. Somit auch jedes Ableben.

  3. mucknert
    09 Januar 2009 08:36
    3

    Natuerlich ist dieses Schicksal eine gute Gelegenheit, einmal ueber sein eigenes Leben nachzudenken. Dies steht ausser Frage. Jedoch, und das ist der eigentliche Punkt den ich betonen wollte, koennen wir uns in Angesicht einer solchen Tragoedie bzw. auch sonst nicht erlauben ueber die Entscheidung eines Menschen, sein Leben zu beenden, richten und mit moralischen Normativen daherkommen. Nicht mehr und nicht weniger. Wie die Person ihr Leben vorher gelebt hat bleibt immer noch diskutabel.

    Das deutsche Wort waere uebrigens “Kokon”. Schrecklich, diese Anglizismen.

  4. admin
    10 Januar 2009 19:30
    4

    Das ist das Schöne im Leben. Niemand kann uns verbieten zu urteilen. Möchte ich etwas für gut erachten, so tu ich das. Genauso verfahre ich, wenn ich etwas für schlecht erachten will. Selbstmord ist falsch und feige. Jetzt hab ich es gesagt. Was ist schon Moral? Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden, und für sich selbst entscheiden wie er mit den Dingen umgeht.
    Wer verbietet es uns schon? Wir Menschen können und werden immer über Dinge urteilen, eine Meinung erheben, und diese vielleicht auch revidieren. Es ist menschlich, und diese Eigenschaft sollte man auch belassen. Und sich nicht zurückhalten aufgrund irgendwelcher Regeln oder Normen die man selbst nicht versteht.

  5. mucknert
    12 Januar 2009 09:03
    5

    “Selbstmord ist falsch und feige.” ist ein normativ-moralisches Urteil. Das sollte die Frage “Was ist schon Moral?” ad absurdum fuehren. Tatsache ist doch, dass sich jeder moralische Urteile erlaubt und das oft unbewusst. Natuerlich darf jeder seine (moralische) Meinung haben und aeussern. Mehr noch: in einem Rechtstaat ist es (moralisch als auch politisch) *gut* dies tun zu koennen. Von dem her stimmen wir also in unseren Ansichten ueberein. Man kann also wunderbar ueber moralische Themen diskutieren ohne jemals ueberein zu kommen.

    Zum Selbstmord im Einzelnen: der Sterbewunsch todkranker Menschen, welche nur noch Schmerzen leiden ist also falsch und feige? Ich darf doch sehr bitten. Diese Art der Pauschalisierung ist das eigentlich falsche und feige. Es gibt kein Schwarz und Weiss, alles muss sorgsam abgewaegt werden. Wer sich diesem Diskurs mit Schwarz-Weiss-Denken verwaehrt ist der eigentliche Feigling. So, nun habe ich es gesagt.

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