Partygänger
Ich gehe schon seit Jahren mit meinen Kumpels regelmäßig aus. Die Vorbereitungen sind da immer gleich. Lass uns auf Tour gehn! sagt der Eine, Hey Bock auf Party? sagt der Andere. Ich sag immer gern Partaay. Doch bald kam die Frage, eher das Problem, wer diesmal mit dem Fahren dran ist. Ganz klar, der Fahrer kann nicht trinken, und hatte weniger Spaß. Jeder drückte sich also mit allen Mitteln vor der leidigen Aufgabe.
Schon manch ein Abend ist gescheitert, weil keiner bereit war das Opfer auf sich zu nehmen. Denn der Fahrer war immer der Looser. Alle Jungs hatten Spaß, konnten Frauen aufreißen, und genossen die Feier. Der Fahrer wurde immer genervt, und hatte keine Chancen bei den Mädels.
Alles in Allem sind die Abende immer cool. Auch für den Fahrer. Sicher, manchmal hat irgendwer ihn schwer genervt, aber er konnte sich ja beim nächsten Mal rächen. Zumal er dann eine überzeugende Ausrede hat, warum er denn nun nicht fahren sollte.
Und so kommt es halt, dass wir Jungs alle in der Disco auftauchen. Erstmal gehts sofort an die Bar. Die Nicht-Fahrer, meist bereits jetzt durchs sogenannte Vorglühen angeheitert, bestellen sich das Angebot des Tages. Es ist erstaunlich wie günstig doch die vielen Angebote sind. Manchmal gibts Bier für einen Euro, oder ein Vodka-Mixgetränk für nur 3,50 Euro. Schnell hat man da seinen Favoriten für das Ritual parat, und kippt sich vorbereitend auf den Abend Unmengen von Alkohol in die Rübe.
Ist erstmal der richtige Pegel erreicht kann der Abend endlich losgehen. Nach Jahren von Erfahrung sind wir zumindest schon so weit, oft die Ersten auf der Tanzfläche zu sein. Wir haben kein großes Problem damit, denn schließlich sind wir ja zum Tanzen da. Und irgendwann kommen auch andere Feierlustige zu Hilfe. So füllt sich der Laden, und füllt sich die Tanzfläche, bis genug Menschen da sind, und wir Jungs anfangen können auf Tour zu gehen. Die Tour ist nur sinnbildlich gemeint.
Wir streifen durch die Disco und schauen natürlich nach Vertretern des weiblichen Geschlechts, die unserem jeweiligen Geschmack zusagen. Wir, der angetrunkene Teil der Gruppe. Der Fahrer ist nicht angeheitert, mit anderen Worten nüchtern, und hat daher schonmal keine Chance auf ein Mädchen zugehen zu können. Mut gibts ja nur in Flaschenform. Manchmal auch im Glas.
Nach einer ganzen Weile sind auch die Opfer ausgesucht. Man ist ja wählerisch. Die da ist zu brav, die zu klein. Und die geht gar nicht, da sind ja Typen dabei. Wir suchen also leichte Beute. Das Mädel alleine an der Bar. Die Mädchengruppe ohne Typen. Die sind ja bestimmt nicht vergeben. Und zu hässlich geht schonmal gar nicht. Sie muss ja schon was hergeben.
Die Geschmäcker unter unserer Gruppe sind sehr unterschiedlich. Das Beuteschema ist anders, der Grund für die Suche auch. Der Eine sucht nur Spaß und Eroberung, der Andere eine feste Beziehung. Wieder einer will nur ins Bett. Egal welches, nur nicht das Eigene.
Wir zeigen uns also untereinander unser vermeintliches Opfer, und disskutieren, philosophieren gar über Möglichkeiten, Wege und Maschen wie wir ihre Gunst gewinnen können. Direkt Ansprechen geht schonmal gar nicht. Das ist doch zu auffällig. Und was, wenn sie nicht will. Dann steht man da, und alle sehn es. Nene, es muss subtiler sein. Wir stellen uns hin, und beobachten die Dame. Denn ein Blick, ein intensiver Augenkontakt, wirkt Wunder. Dann wird sie sicherlich weich, und kommt sofort herüber. Sie verlässt die Gruppe ihrer Freunde, und den Typen da, um zu uns zu kommen. Man muss nur noch den richtigen Blick finden. Aber wir haben ja den ganzen Abend Zeit zum Üben. Vielleicht klappt es ja auch irgendwann mal.
Wir stehen also da, mit dem Bier, Vodka, der Sektflasche, oder sonstigen alkoholischen Mutmachern, beobachten, grinsen, schauen ernst, oder manchmal auch böse. Wir tanzen manchmal, schauen dennoch weiter zur Dame. Hat man manchmal genug Mut (getrunken), traut man sich auch mal das Mädchen anzutanzen. Aber nur, wenn sie gerade auch tanzt. Und wenn kein Typ in der Nähe steht. Aber die Konkurrenz sollte eh vorsichtig sein. Denn wir haben Mut, Charakter, und den richtigen Blick.
Ab und an hat dann auch mal wer Erfolg. Er schafft es dann wirklich den Mut zu bündeln und sich auf den Weg zu machen sie anzutanzen. Scheitert er hierbei nicht, hält der Tanz mit ihr sogar vielleicht eine halbe Minute. Zumindest bis sie feststellt, dass da wer hinter ihr steht. Dann macht sie sich von Dannen.
Zu diesem Zeitpunkt ist dann auch die Stimmung auf dem Nullpunkt. Es hagelt dumme Sprüche, und der Fahrer kriegt alles ab. Das jeweilige Opfer, äh Mädchen, war es natürlich nicht wert. Sie war ja doch nicht so heiß, eher hässlich. Zu flach, oder zu klein. Der Blick war ja auch total dumm. Wir wollten sie eh nie wirklich haben. Und ihre Freundin war ja viel besser. Doch leider hat man die nur zu spät gesehen. Doch beim nächsten Mal, ja genau, beim nächsten Mal, wird alles anders sein. Da sehen wir ja direkt die Freundin. Und da haben wir dann auch mehr Mut, und vielleicht finden wir auch den richtigen Blick.
Ich glaube diesen Abend kennen sehr viele Männer. Ich wette es ist immer das Gleiche. Ich sehe selbst, wie andere Männergruppen in der Disco ebenfalls dastehen, mit dem Getränk in der Hand, an der Wand lehnen, und glotzen. Ja, wir schauen nicht, wir glotzen. Und kommen uns ganz toll vor. Wir betrinken uns, und machen uns von Beginn an alle Chancen zunichte. Und am Ende des Abends sind wir so frustriert, dass wir die Schmach auf die Frau schieben, und auf den Abend. Auf die Umstände, oder gar die Freunde. Der Fahrer wollte ja früher weg, sonst hätte ich sie ja doch noch angesprochen. Er ist schuld. Der Arsch.
Wer sich in dieser kleinen Anekdote wiedergefunden hat, der kann froh sein auf dieser Seite gelandet zu sein. Denn dafür gibt es Abhilfe. Ich werde da helfen. Mit Artikeln und mit Tipps. Und mit Rafael zusammen arbeite ich auch an einem Workshop. Solche Abende gehören zu meiner Vergangenheit. Und sie werden auch für euch nur noch eine witzige Geschichte werden, die man an coolen Abenden erzählen kann.
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