Wie ich mein Unternehmen mit nur 10 € gründen kann
Ich habe einmal mit einem Venture Capitalisten einen Plausch gehalten. Wir redeten über neue und interessante Startups. Er erzählte, wie sich die Ideen an Startups mit der Zeit geändert haben, und dass er sehr viele technische Startups betreut hat. Wir redeten über die damals aktuelle Startup Szene, so wie er sie mitbekommen hat.
Dann kam das Thema Startup Finanzierung auf. Ich habe damals in irgend einem Artikel von einer Konferenz in Amerika gelesen. Leider weiss ich den Namen nicht mehr, aber an die Aussage kann ich mich noch heute genau erinnern. Die gesamte Konferenz ging um die Finanzierung von Startups im Web 2.0. Die meißten Vorträge wurden von Venture Capitalisten selbst, oder von erfolgreichen Gründern durch Venture Capital gehalten. Venture Capitalisten berichteten über die nötigen Anforderungen für ein erfolgreiches Zusammenarbeiten, und vorallem Erhalten von Venture Capital durch größere renomierte Kapitalgeber. Die erfolgreichen Gründer erzählten von ihren Erfahrungen mit den Kapitalgebern, und wie sie die Hürden eines Startups mithilfe ihrer Mentoren und Coaches vom Kapitalgeber erfolgreich gemeistert haben.
Und irgendwann kam dann ein ebenfalls recht erfolgreicher Gründer ans Rednerpult und berichtete eine etwas andere Meinung. Er behauptete nämlich, dass die meißten Gründer im Saal, und im gesamten Web 2.0 garkein Venture Capital gebraucht hätten, wenn sie ihre Gründung nur etwas anders angegangen wären.
Er berichtete dabei von seinem eigenen Startup, und wie er ganz ohne Kapital erfolgreich vorangeschritten ist. Er hat sich oft auf das Wesentliche konzentriert, und viel Arbeit selbst in die Hand genommen. Auf Dinge, die viel Geld gekostet hätten, hat er dabei oft verzichtet. Er hatte einen drittklassigen Webserver, und eine einfache Grafik für seine Homepage gehabt. Doch mit der Zeit, und mit steigendem Gewinn konnte er seine Homepage immer weiter nach seinen Wünschen aufbauen. Dabei hat er bereits früh mit einem Vergütungskonzept für seine Homepage angefangen. Den Mehrwert haben wohl genug Benutzer gesehen, denn mit der Zeit war sein Startup sehr erfolgreich.
Der Vortrag hat sehr viel Kritik erhalten. Verständlich, wenn man überlegt, dass hauptsächlich Kapitalgeber selbst auf der Konferenz waren, und er deren Grundlage angezweifelt hat. Doch ebenfalls wurde der Vortrag von anderen Seiten sehr positiv aufgenommen.
Recht hatte der Mann, so behaupte ich. Im Web 2.0 muss man kein teures Venture Capital erhalten, um ein erfolgreiches Startup auf die Beine zu stellen. Man muss nicht mit einem Big Bang an den Markt treten, und muss nicht direkt zu Beginn die Topfeatures aufweisen. Man kann auch schleichend an den Markt treten, und nach und nach sein Unternehmen ganz ohne große Kosten aufbauen.
Der Venture Capitalist
Mein Gesprächspartner hat bei dieser Story geschmunzelt. Seine Worte waren: Klar gibt es vereinzelte Startups die es auch ohne Kapital geschafft haben. Aber es ist heutzutage nahezu unmöglich ohne Geld etwas zu erreichen.
Er hat mich nicht mehr ernst genommen, und mich belächelt, mit meiner ideellen Meinung über das perfekte Startup.
Doch ich blieb bei meiner Meinung. Ich behaupte sogar ganz ketzerisch, dass die meisten Startups mit Venture Capital dieses nur deswegen benötigen, um ihre Kunden mit unnötigen Features und Bonbons von ihrer mittelmäßigen Idee zu überzeugen.
Mit Sicherheit trifft diese Aussage nicht auf jedes Startup zu, doch sicherlich auf mindestens die Hälfte aller Venture Capital finanzierten Web 2.0 Unternehmen.
Warum ist es möglich?
Wer nicht bereit von meiner Artikelreihe Gründe dein Unternehmen in 7 Tagen überzeugt wurde, den frage ich nun persönlich. Warum sollte es nicht möglich sein? Wozu braucht ein Web 2.0 Startup wirklich Kapital? Die 10 Euro für ein mittelmäßiges aber ausreichendes Hosting sollte man aufbringen können. Ich selbst teile mir dieses sogar mit einem Freund, und zahle somit nur 5 Euro im Monat. Dazu kommen nochmal 5 Euro für die Domäne. Und dies ist sogar noch sehr gut aufgerundet.
Ich selbst zahle also nur 10 Euro im Monat für mein Startup. Durch die Google Adsense Werbung erhalte ich bereits etwas Geld, um diese Selbstkosten wieder reinzubekommen. Ansonsten kostet es mich nur Zeit zum Schreiben von Artikeln, und zum Recherchieren von neuen und wissenswerten Informationen.
Programmierer müsste man sein
Der Umstand, dass ich ein ausgebildeter Programmierer bin, ist hierbei nur von Vorteil. Ich kann mir meinen Webserver einrichten, und meinen Bedürfnissen nach anpassen. Ich hatte kaum Probleme beim Installieren meines Weblogs, sowie bei der Umsetzung des neuen Grafikdesigns. Die Vorlage hierzu habe ich von einer Bekannten erhalten, die mir dies für einen Kaffee erstellt hat.
Auch die weiteren Web 2.0 Ideen die ich ausarbeite, kann ich mit eigenen Kräften auf die Beine stellen, und muss keinen Cent ausgeben für die Umsetzung.
Doch bereits in der oben genannten Artikelreihe habe ich gezeigt, dass man nicht zwingend ein Programmierer sein muss um eine erste Homepage zu erstellen. Wenn ich eine gute Idee habe, und diese mit den mir gegebenen Mitteln auf die Beine stellen kann, ist der erste Schritt bereits getan.
Und niemand hat behauptet, dass ein Startup bereits mit vollem Funktionsumfang auf den Markt gehen muss. Fakt ist, die meißten guten Web 2.0 Angebote gehen als sehr frühe Beta online, und werden nach und nach im Funktionsumfang vervollständigt.
Gründe in einer Nische
Sollte ich eine Nische finden, in der ich ein sehr spezielles Problem, oder ein sehr dringliches Anliegen als erster und einziger Anbieter lösen kann, sichere ich mir bereits sehr früh einen soliden Kundenstamm, der mir auch Fehler und Probleme zu Beginn des Startups verzeiht. Schließlich gibt es keine Konkurrenz zu der man wechseln kann. Wenn ich da schnell genug handle, kann ich mir ein sicheres Unternehmen aufbauen.
Es ist selbstverständlich kaum möglich in einem Markt mit etablierten und hoch angesehenen Konkurrenten noch ohne Kapital anzutreten, doch warum sollte ich es nicht probieren, wenn ich gute Ideen habe, und mir selbst vertraue, den harten Weg auch so gehen zu können?
Paradigmenwechsel
Noch vor 100 Jahren war es schier undenkbar ein Unternehmen völlig ohne Kapital zu gründen. Das Industriezeitalter bedurfte nunmal viel Kapital für Maschinen, Patente und Rohstoffe um ein Produkt zu erstellen. Heutzutage gibt es Dienstleistungen die ich bereits mit einer einfachen Ausbildung anbieten kann. Und je besser ich in dieser Dienstleistung bin, desto höher sind meine Erfolgschancen.
Im heutigen Informationszeitalter braucht man bereits jetzt viel weniger Kapital zum Gründen eines Unternehmens. Wie gesagt, es reichen bereits 10 Euro.
Aber wie verdiene ich mein Geld?
Mit einer soliden Homepage, und einem wirklichen Mehrwert, werde ich mit Sicherheit einige Kunden finden, die bereit sind in mein Angebot zu investieren. Ich kann hierbei einen freien Part anbieten, für Kunden die noch nicht überzeugt sind, und einen bezahlten Part mit erweiterten Funktionalitäten oder Informationen, für Kunden die bereits überzeugt sind. Damit kann ich bereits sehr früh Geld verdienen.
Wenn ich dann noch mittels Werbung zusätzliche Geldquellen nutze, profitiere ich auch indirekt von den freien Benutzern. Es gibt so viele Möglichkeiten um eine Homepage profitabel zu machen.
Was hält mich noch ab?
Ich habe also einen Wunsch. Ich habe den Wunsch mich selbst zu verwirklichen. Ich möchte finanzielle Unabhängigkeit erreichen. Ich möchte mein eigener Chef sein, und meine eigenen Aufträge erarbeiten. Ich möchte das machen, was mir Spaß macht. Dabei möchte ich ein erfülltes Leben haben, und glücklich sein. Ich möchte Freiheit haben, und Sicherheit. Und all das kann ich mit einem von mir gegründeten und erfolgreichen Unternehmen schaffen.
Was hält mich also noch davon ab? Ich könnte schon nächste Woche ein stehendes Unternehmen besitzen.
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