Problemlösung nach Einstein
Albert Einstein war ein faszinierender Mensch. Man sagt er sei kein besonders guter Schüler gewesen, und er soll sogar einmal in der Schule sitzengeblieben sein. In der Universität studierte er Mathematik, mochte aber die abstrakte Denkweise und den geringen Bezug zur Praxis nicht. Er bereute sein Verhalten später, doch die Aussage ist gleich. Der Notenschnitt in der Schule, äußere Bewertung von fremden Personen sagen rein garnichts über die Person selbst aus.
Ein Zitat von Einstein hat mich ganz besonders geprägt. “Ein Problem kann nicht auf derselben Bewusstseinsebene gelöst werden, auf der es entstanden ist”. Dieser Satz ist zuallererst recht schlüssig. Selbstverständlich kann ein Problem nicht auf derselben Bewusstseinsebene gelöst werden, auf der es entstanden ist. Andernfalls gäbe es garkein Problem.
Einstein sagt, man müsse in eine nächsthöhere Bewusstseinsebene aufsteigen, um das Problem zu lösen. Darüber sollte ich genauer nachdenken.
Probleme
Der Begriff des Problems ist bei Einstein sehr allgemein gehalten. Tatsächlich könnte dieser Satz auf jedes Problem zutreffen.
Wie kann ich also diesen Satz, diese Lehre, für mich nutzen? Ich selbst kann das Beispiel aus der Sicht eines Programmierers gut beschreiben, da ich Programmierer bin. Analog dazu werde ich jedoch auch den Satz aus der Sicht eines Managers erklären.
Mein Alltag als Programmierer, oder als Manager, ist gefüllt mit Aufgaben, Problemen und deren Lösung. Eine bestimmte Anforderung eines Kunden muss in ein Programm entwickelt werden. Ein Lieferant von Produkten fällt aufgrund von Insolvenz aus.
Das Problem für mich als Programmierer stellt sich, dass auf den ersten Blick die zusätzliche Anforderung nur schwer in die bestehende Codebasis integriert werden kann. Ich muss viele Ausnahmen beachten, einen sogenannten Workaround um bestehende Probleme machen, und an vielen Stellen den Code anpassen, damit die Änderung einigermaßen stabil und verlässlich funktioniert.
Als Manager könnte ich versuchen einen neuen Lieferanten aufzutreiben. Doch müsste dieser eine weitere Strecke zurücklegen, um mir mein Produkt anzuliefern. Dieses Mehr an Strecke müsste natürlich bezahlt werden, was den Produktpreis in die Höhe treibt. Jedoch kann sich mein Unternehmen diese Preissteigerung nicht leisten, da die Konkurrenz damit günstiger wäre.
Ich sehe also, in einer bestimmten Denkweise in der ich das Problem erkannt habe, kann ich das Problem nur unbefriedigend lösen. Zudem erhalte ich unliebsame Begleiterscheinungen die sich ebenfalls zu neuen Problemen entwickeln könnten. Es ist wie ein Teufelskreis.
Eine neue Bewusstseinsebene
Fred Gratzon beschrieb den Aufstieg in die nächsthöhere Bewusstseinsebene mit zwei Paradigmen. Es gibt das eine Paradigma, dass man immer kleiner, immer feinstofflicher wird, und das andere Paradigma, dass man immer überblickender und abstrakter wird.
Feinstofflicher bedeutet, wie im Beispiel der Medizin, die Zellen mit immer besseren Werkzeugen besser vergrößern zu können. Zu Beginn konnte ich nur die Haut mit bloßem Auge sehen, und mit der Zeit konnte ich immer tiefer in die einzelnen Schichten blicken. Die einzelnen Zellen wurden mir offenbart, und ich kann somit neue Problemlösungen finden.
Überblickender und Abstrakter bedeutet, dass ich Probleme von weiter Aussen betrachte. Zuerst konnte man nur die Straßen überblicken, und mit der Zeit erfand der Mensch das Flugzeug, und konnte das Bild der Umgebung immer weiter und besser überblicken. Der Blick auf die Erde mit einem Sateliten erlaubt einen noch größeren Überblick.
Als Programmierer kann ich mir in meinem Programm einen weiteren Überblick verschaffen. Ich lehne mich zurück, und schaue mir die umliegenden Bereiche meines Moduls an, in der die Änderung stattfinden soll. Mit einem übergreifenderen Blick könnte ich feststellen, dass das Problem an der Architektur der gesamten Modulgruppe liegt. Wenn ich also eine Arbeitsweise durch eine Andere ersetze, so kann ich meine Änderungen idealer einpflegen, und die Begleitprobleme tauchen nichteinmal auf, und ich brauche auch keine Workarounds mehr. Mein System ist dadurch sehr sauber, und kann in Zukunft auch leichter erweitert werden.
Als Manager könnte ich feinstofflicher in das Problem blicken. Ich betrachte mir den Stamm an neuen Lieferanten genauer an. Ich schaue genauer in ihr Angebot, und entdecke vielleicht, dass ein Händler eine Direktlieferung an den Endkunden anbietet, und die Produkte nicht mehr zu mir ins Lager geschafft werden müssen. Dadurch spare ich einerseits Lagerkosten, und andererseits die zusätzlichen Transportkosten. Am Ende könnten meine Kosten sogar noch weiter gesenkt werden, als es bei der Mitarbeit mit dem alten Lieferanten möglich war. Dadurch kann ich vielleicht den Endpreis meines Produkts weiter senken, und kann dadurch noch besser gegen die Konkurrenz antreten.
Intelligente Problemlösung
Ich sehe also, dass eine Lösung eines Problems nicht mit dem Entstehen neuer Probleme einhergehen sollte. Ich sollte meine Bewusstseinsebene ändern, und das Problem entweder genauer betrachten, oder mir einen weiteren Überblick über das Problem verschaffen. Workarounds, Notlösungen oder Kompromisse sind nicht der richtige Weg zur Lösung meiner Probleme. Vielleicht bin ich bisher ganz gut damit gefahren, und die Folgeprobleme waren ebenfalls überwindbar, und alles lief gut, aber ich sehe, dass es auch besser geht. Es geht stressfreier, und intelligenter. Dadurch ist mein Wachstumspotential viel höher.
Es gilt also Probleme nicht zu umgehen, sondern sie gänzlich zu vermeiden. Und ich wage zu behaupten, dass es für jedes Problem eine intelligente Lösung gibt. Ich muss nur meine Bewusstseinsebene ändern.
Beim Auftreten eines Problems sollte ich also erstmal einen Schritt zurücktreten und das Problem erkennen. Was ist genau das Problem? Wie kann man dieses umgehen? Wie kann man es anpacken? Wie kann man es zu einem Vorteil machen? Muss ich vielleicht die anderen involvierten Dinge anpassen, oder ändern?
Ich sollte auch nocheinmal genau schauen, welche Pläne ich eigentlich habe. Welche Ziele hab ich? Welches Ergebnis möchte ich erreichen? Wie soll das Ergebnis aussehen? Was ist der Sinn dieser Aufgabe?
Die Folgen
Anstatt einer Notlösung habe ich eine Verbesserung der Gesamtsituation. Anstatt eines Workarounds habe ich ein sauberes System. Anstatt eines Kompromisses habe ich Gewinner auf beiden Seiten.
Es gilt also Probleme in Vorteile umzuwandeln. Ich tausche Schwächen gegen Stärken.
Intelligente Problemlösungen erkenne ich daran, dass sie sich gut anfühlen. Das Entstehen neuer Probleme fällt meisstens recht schnell auf. Ausserdem fühle ich mich nicht wohl mit einer Problemlösung. Dieses Unwohlsein, das ungute Gefühl, der Stress, sind deutliche Anzeichen für eine schlechte Problemlösung.
Gute Problemlösungen fühlen sich gut an, schlechte Problemlösungen fühlen sich schlecht an.
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