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Web 2.0 Startup

Der Begriff Web 2.0 ist momentan allgegenwärtig. Nicht nur im Internet stößt man immerwieder darauf, sogar in Zeitungen und den Fernsehnachrichten liest man es hin und wieder. Wenn es aber darum geht zu erklären, was Web 2.0 eigentlich bedeutet, gehen die Meinungen weit auseinander.

Tim O’Reilly hat den Begriff des Web 2.0 geprägt, und ihn in einem ausführlichen Artikel auch erklärt.
Um das Web 2.0 einzugrenzen spricht O’Reilly von mehreren Kernprinzipien. Erfüllt ein Unternehmen mit seinem Angebot diese Prinzipien, kann es im Web 2.0 Fuß fassen.

Die Prinzipien des Web 2.0

Man kann die von O’Reilly genannten Prinzipien folgendermaßen beschreiben.

  1. Services statt Software
    Seit der grauen Urzeit des Softwaremarktes wurden proprietäre Applikationen an den Nutzer verkauft. Im Bereich der Standardsoftware wurden komplexe Softwarepakete erstellt, die eine Vielzahl an Funktionalitäten und Features hatten. Viele Office Produkte stellen hier ein gutes Beispiel dar. Bereits eine Tabellenkalkulation bietet einen enormen Umfang an Funktionen an.
    Der Web 2.0 Markt hat die allgemeine Software zum Service umgewandelt. Es werden kleine Lösungen für spezielle Probleme direkt im Internet zur Verfügung gestellt. Sei es das Verwalten meiner Kontaktdaten, oder ein kleines Projektmanagementtool. Ich kann sehr viele hilfreiche Services im Internet entdecken.
    Das Prinzip lautet also, biete kleine aber feine (Web-)Services an.
  2. Nutzer generieren Daten
    Bei Flickr kann ich meine privaten Fotos online stellen, und der Community anbieten. Je mehr Bilder ich einstelle, desto mehr Content hat die Seite. Durch den wachsenden Content, sowie die Mundpropaganda durch die Benutzer, wächst die Nutzerzahl weiterhin. Immer mehr Nutzer stellen immer mehr Content auf die Seite, und helfen dem Unternehmen hinter Flickr (inzwischen Yahoo) beim Wachstum. Das Unternehmen selbst hat hierfür nichts getan, ausser die Plattform bereitzustellen.
    Das Prinzip lautet, lass die Benutzer deine Daten besorgen.
  3. Nutze den Content
    Dies ist eine Erweiterung zum vorherigen Prinzip. Der Content, den die Nutzer einstellen, soll natürlich das Kerngeschäft meines Service darstellen. Bei Flickr sind es die Fotos selbst, die vom Nutzer eingestellt werden können, bei Digg sind es Links zu wissenswerten Webseiten. Google hat beispielsweise zwar eine große Anzahl an Daten über die vielen Seiten im Internet, jedoch ist es kein Content den User einstellen können, und der sich damit wieder selbst vermarktet.
    Das Prinzip hier ist also, nutze den Content und seine Eigenschaft sich selbst zu vermarkten.
  4. Nutzer sollen sich selbst helfen
    Ein Vorteil einer Internetcommunity ist es, dass Nutzer sich um einander selbstständig kümmern können. Wenn beispielsweise ein User bei YouTube fragen zu einem Video hat, dann kann die Community ihm dabei helfen. Auch hier hat das Unternehmen selbst nichts damit zu tun. Es stellt lediglich die Möglichkeit zur Kommunikation bereit.
    Dadurch haben Nutzer das Gefühl sie wären ein Teil einer großen Community. Es kann dabei leicht vergessen werden, dass immernoch ein Unternehmen hinter dem Service steht. Dadurch wirkt der Service weniger abschreckend.
    Das Prinzip lautet somit, gib Nutzern die Möglichkeit sich selbst zu helfen.
  5. Vertraue Nutzern als Mitentwickler
    Das Stichwort lautet “Mashups”. Google Maps bietet beispielsweise die Möglichkeit an, ihre API zu nutzen, und sie in andere Services einzubauen. So gibt es bereits Seiten auf denen Nutzer jederzeit sehen können wo sich ihre Freunde aufhalten, oder Restaurants die eine genaue Wegbeschreibung vom Besucher zu ihren Lokalen auf der Homepage generieren lassen. Die Möglichkeit der Offenlegung der APIs bietet viele neue Facetten des eigenen Services an, und fördert die Kundenbindung. Durch die hohe Nutzeranzahl steigt auch der Wert der Daten.
    Das Prinzip lautet, stelle deine API zur Verfügung, damit Programmierer sie in eigenen Applikationen einbauen können.
  6. Service über die Grenzen des Computers hinaus
    Man fragt sich, wie man seinen Service ausserhalb der Plattform Internet zur Verfügung stellen kann. Ich muss zugeben, dass es sehr schwierig ist dieses Prinzip zu verwirklichen. Das Unternehmen Apple hat es geschafft, mit seiner Plattform iTunes die Grenzen des Web 2.0 auf dem PC zu sprengen. Über die Applikation lassen sich die Musikdateien, und inzwischen auch ganze Filme oder Fernsehserien, auf den iPod kopieren. Ich komme dadurch in den Genuss die Informationen aus iTunes, die Kategorisierung, und die Inhalte selbst bequem unterwegs nutzen zu können.
    Daneben gibt es noch das Beispiel TiVo. Hier wird der PC mithilfe einer leicht benutzbaren Applikation, und mithilfe von Informationen aus dem Internet, zum Medienspieler und Videorekorder. Der TiVo, oder auch andere Mediengeräte, dient heute bereits als vollständige Multimediastation, und findet sich in immer mehr Wohnzimmern wieder.
    Das Prinzip lautet also, sprenge die Grenzen des Computers und erfasse neue Möglichkeiten.
  7. Simple Benutzerschnittstellen
    Das wohl bekannteste Prinzip ist die Erstellung simpler Benutzeroberflächen. Der Begriff Ajax ist allgegenwärtig und wird oft in direkte Verbindung mit Web 2.0 gestellt. Mithilfe von Ajax lassen sich dynamische Oberflächen bei Webapplikationen erstellen. Dadurch muss nicht die gesamte Seite neu geladen werden, wenn man beispielsweise nur eine kleine Eingabe prüfen will. Mit Ajax kann man nun einen kleinen Teil nachladen lassen. Ausserdem sehen die Programme inzwischen richtigen Applikationen sehr ähnlich. Ajax ist eine vielversprechende Technik, die jedoch momentan noch in ihren Kinderschuhen steckt, und wie damals JavaScript, oft nur für Spielereien verwendet wird. Vielleicht wird es pünktlich zum Web 3.0 ausgereift sein, wie JavaScript zum Web 2.0. :)
    Das Prinzip lautet also, erstelle simple und leicht verständliche, angenehme Benutzeroberflächen.
  8. Simple Entwicklungsmodelle
    Releasezyklen sollen simpel, und vorallem zeitlich kurz gehalten werden. Im Web 2.0 ist es üblich, dass die Applikationen mehrere Monate, oder sogar Jahre lang, in der Betaphase stecken. Dabei werden frühzeitig die allgemeinsten Funktionalitäten zur Verfügung gestellt, und mit der Zeit, und mit wachsender Nutzeranzahl, der Service ausgeweitet. Man kann die Prinzipien so nach und nach erfüllen, während man zeitgleich bereits die Community aufbaut. Dabei darf ich aber die Arbeit nicht vernachlässigen. Der Funktionsumfang sollte spürbar ansteigen, damit der Service weiter an Bedeutung gewinnt, und ich der Konkurrenz wenig Spielraum lasse.
    Das Prinzip lautet, gib die Versionen früh frei, und nutze so den Hype.

Die Kunden

Möchte ich also im Web 2.0 ebenfalls mitspielen und erfolgreich werden, sollte ich eines oder mehrere dieser Prinzipien realisieren. Dabei ist die Zielgruppe weitestgehend vorgegeben. Die Kunden sind freie Internetnutzer die mit dem Service etwas anfangen können. Es sind in jedem Fall private Endkunden.

Unternehmenskunden werde ich kaum mit gewöhnlichen Web 2.0 Anwendungen gewinnen können, da die Daten der Applikation auf meinem Server gespeichert werden. Bei Unternehmen sind die Daten sehr sensibel und wichtig. Daher sind sie nicht gewillt sie auf fremden Servern abspeichern zu lassen. Solange ich also keine Möglichkeit anbiete die Daten seperat abzuspeichern, oder einen Server zu meiner Applikation bereitstelle, werden Unternehmenskunden nicht oder nur selten, und dann eingeschränkt, zu meiner Community gehören.

Soviel also zum Einstieg in das Thema Web 2.0. Möchte ich mich in diesem Bereich Selbstständig machen, muss ich mich schnell der neuen Denkweise anpassen. Wie in jedem anderen Bereich gilt, ich muss es gut planen, und viel arbeiten, damit ich erfolgreich sein kann.

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Kommentare (1) -> “Web 2.0 Startup”

  1. Nebenberufliche Existenzgründung
    02 Juni 2007 12:39
    1

    [...] Es empfiehlt sich bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit beispielsweise ein Web 2.0 Unternehmen zu gründen. Mit etwas Aufwand beim Finden einer Idee, und nach der ersten Umsetzung einer Solchen, lässt sich schnell das Unternehmen selbstständig durch die Community voranbringen. Details dazu finden sich in meinem Artikel zu Web 2.0 Startups. [...]

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